Was ist INPP?
INPP (Institute for Neuro-Physiological Psychology) lautet in deutscher Übersetzung Institut für Neurophysiologische Psychologie.
Das INPP in Chester/England hat unter der Leitung von Dr. P. Blythe und Sally Goddard Blythe in langjähriger Forschungsarbeit seit den 1970er Jahren entscheidende Durchbrüche im Erkennen und Behandeln von Entwicklungsverzögerungen aufgrund von Restreaktionen frühkindlicher Reflexe erzielt. Es wurden umfangreiche Tests entwickelt, mit deren Hilfe Restreaktionen frühkindlicher Reflexe bzw. die Abwesenheit von reifen Halte- und Stellreaktionen sowie sensorische Wahrnehmungsstörungen mit großer Sicherheit festgestellt werden können.
Darüber hinaus wurde ein Übungsprogramm entwickelt, durch das diese unreifen (vom Hirnstamm gesteuerten) Muster nachträglich integriert werden: Nach erfolgreicher Durchführung überlagert die kortikal gesteuerte Willkürmotorik die unreifen Reflexstrukturen und übernimmt die Steuerung. In diesem Zuge können sich die Halte- und Stellreaktionen reif herausbilden. Mit der Normalisierung der Reflexstruktur (Integration der Restreaktionen frühkindlicher Reflexe) verschwinden viele Bewegungs-, Lern- und Verhaltensprobleme.
Dieses Programm ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene anwendbar. Neben der sehr individuell abgestimmten Behandlungsform nach dem INPP besteht auch die Möglichkeit, neuromotorische Entwicklungsförderung für Gruppen (z.B. im Kindergarten oder in der Schule) durchzuführen.
Was ist eine neuromotorische Entwicklungsverzögerung?
Leben und Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden. Schon vorgeburtlich muss sich das Kind im Mutterleib bewegen, um sich entwickeln zu können. Bewegung ist auch später der „Motor“ der Hirnreifung und zugleich auch ihr Ergebnis. Je ausgereifter das Gehirn ist, desto koordinierter und komplexer sind die Bewegungsmuster.
Während der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Lebensmonate sind die meisten kindlichen Bewegungen durch die sogenannten frühkindlichen Reflexe gesteuert. Dies sind automatisch ablaufende, immer gleiche Bewegungen ohne kortikale Kontrolle.
Mit der Hirnausreifung schwindet diese Reflexaktivität, Bewegungen werden zunehmend vom menschlichen Großhirn gesteuert und damit zu bewussten/willkürlichen Bewegungen.
Diese reife Motorik ermöglicht es uns, uns in allen erdenklichen Bewegungsmustern und Körperpositionen mühelos und ohne darüber nachzudenken (automatisiert) zu bewegen (z. B. Fahrradfahren).
In manchen Fällen erlangen die frühkindlichen Reflexe zuvor jedoch nicht ihren von der Natur vorgesehenen Höhepunkt und maximale Ausreifung. Sie können nicht vollständig integriert werden und bleiben als „unreife“ Restreaktionen aktiv. Dann behindern sie die weitere Hirnreifung und wir sprechen dann von einer neuromotorischen Entwicklungsverzögerung.
Die Ausreifung und Ablösung der frühkindlichen Reflexe durch höher strukturierte Motorik ist untrennbar mit der kognitiven und psychosozialen Entwicklung verbunden. Bei vielen Kindern mit Auffälligkeiten in den Bereichen Bewegung/Lernen/Verhalten sind noch nicht vollständig integrierte frühkindliche Reflexe aktiv.
Solche Kinder können in der Regel ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, zeigen in der Schule häufig nicht die Leistungen, die ihrem kognitiven Potential entsprechen, oder verhalten sich sozial unangemessen.
Leider werden diese Schwierigkeiten und Problem der Kinder oft als mangelnde Intelligenz, Faulheit oder Böswilligkeit missverstanden.
Häufig haben betroffene Kinder mit nur mäßigem Erfolg schon eine Reihe von Therapien durchlaufen. In vielen Therapieformen werden kompensatorische Fähigkeiten gestützt und erlernt, die es dem Kind ermöglichen sollen, mit ihren Schwierigkeiten besser „zurecht zu kommen“. Die Ursache der Probleme wird auf diese Weise jedoch nicht behoben. Die Kinder müssen daher im Alltag nach wie vor ein erhöhtes Maß an Konzentration und Kraft für das erlernte/erwünschte Verhalten, Bewegungen oder Leistungen aufbringen , denn es findet keine Automatisierung dieser Prozesse statt.

